Donnerstag, 11. November 2010

11.11.2010: Cholera - Gonaives

Während die Zahl der Cholera-Infizierten in ganz Haiti inzwischen die 10.000-er Marke überstiegen hat, hat sich in Gonaives die Zahl der Cholera-Toten seit Montag, als der erste in den überfluteten Straßen gefunden wurde, auf 31 erhöht. Andere Quellen sprechen sogar von schon mehr als 60 Toten in der Stadt, und der Bürgermeister berichtet von zunehmender Panik unter der Bevölkerung.

Allein im Krankenhaus von Roboto, einem der Armenviertel, wurden in den letzten beiden Tagen 380 Cholera-Kranke eingeliefert. Dass die Krankheit sich jetzt, nachdem sie bereits abzuflauen schien, offensichtlich explosionsartig ausbreitet, ist nach Aussage einer vor Ort tätigen Ärztin eine Folge des Hurrikans "Tomas": Zum einen traten die verunreinigten Flüsse über die Ufer, zum anderen hinderten Regen und Sturm aber auch vier Tage lang die Haitianer daran, ihre Kranken in das nächstgelegene Krankenhaus zu bringen, so dass viele Menschen zuhause starben und ihrerseits wieder andere ansteckten.

(Foto: Raboto nach "Tomas")

Mittwoch, 10. November 2010

10.11.2010 - 20.19 h

hallo Barbara,
eben hat Monika angerufen, sie sitzen im Auto auf der haitianischen Seite mit Enel und Philistin. Sie haben in der Domrep keinen Zoll bezahlen müssen und auch alles zollfrei über die Grenze gebracht. Sie sind jetzt auf dem Weg nach Gonaives.
und auch alles zollfrei über die grenze gebracht.sie sind jetzt auf dem weg nach gonaives.
Grüße, Esther
PS: Sie durften alle drei in der Economie Comfort Class sitzen ohne Aufpreis.

10.11.2010

Die erste Etappe ist geschafft - die drei Reisenden sind mitsamt ihren vielen Kisten und Paketen an Hilfsgütern wohlbehalten in der Dominikanischen Republik angekommen. Leider war es ihnen aufgrund ständigen Regens noch nicht möglich, sich telefonisch mit den Gonaiver Mitarbeitern in Verbindung zu setzen. So ist es noch unklar, ob sie wie verabredet um 13 h Ortszeit am Mittwoch am haitianisch-dominikanischen Grenzübergang von Ouanaminthe abgeholt werden können.

Währenddessen kam aus der haitianischen Port-au-Prince die Meldung, dass es dort den ersten Cholera-Toten gegeben hat. Somit hat die Krankheit nun auch die Hauptstadt des Landes erreicht, was den Umgang damit für die haitianischen Gesundheitsbehörden zu einer "Frage der nationalen Sicherheit" macht. Auch 10 Monate nach dem verheerenden Erdbeben vom Januar ist Port-au-Prince vor allem eine riesige Ansammlung von Slums und Flüchtlingslagern ohne auch nur rudimentäre sanitäre Anlagen. Eine immer schnellere Ausbreitung der Krankheit scheint unvermeidbar.

Expertenberichten zufolge "hat sich die Cholera durch die Überschwemmungen der letzten Tage in den Flüssen Haitis etabliert und dadurch im ganzen Land Fuß gefasst." Es sei mit einer langandauernden Epidemie zu rechnen, mit Zehntausenden von Infizierten in den kommenden Jahren.

Mehrfach haben unsere europäischen und einheimischen Mitarbeiter im letzten Vierteljahr eine 44-köpfige Waisengruppe besucht und unterstützt, die in La Plaine, in der Nähe der Hauptstadt, in einem einzigen notdürftigen Zelt lebt, das kaum genug Platz für metallene Doppelstockbetten bietet. Es fehlt dieser Gruppe an allem. Da auch dort die hygienischen Umstände kaum zu ertragen sind, will unser Bauteam für diese Kinder umgehend eine feste Unterkunft bauen, nach den Musterhäusern in Gonaives und Léogane das dritte größere Projekt dieser Art.

Dienstag, 9. November 2010

09.11.2010

Die Zahl derer, die durch den Hurrikan "Tomas" ums Leben kamen, wird mittlerweile mit zwanzig angegeben, einige werden nach wie vor vermisst.
Ein amerikanischer Arzt spricht derweil von inzwischen zehn Cholera-Toten in Gonaives; die Lebensmissions-Mitarbeiter und die Frauengruppe Afprog intensivieren ihre Hilfsmaßnahmen vor Ort und in den besonders betroffenen Gebieten des Artibonite-Deltas, weitere Hilfsgelder werden in den nächsten Tagen an sie überwiesen.

Unsere drei Reisenden haben sich heute früh auf den Weg gemacht. Ihre endgültige Reiseroute ist noch offen, nachdem am Montag Nachrichten eintrafen, dass eine Brücke der Nationalstraße in den Norden - zwischen Passe Reine und Ennery - als Folge von "Tomas" eingestürzt sei. Man wollte die Damen deshalb statt in Ouanaminthe am südlichen Grenzübergang von Malpasse abholen - angesichts der Strecke von Puerta Plata im Norden der Dominikanischen Republik durch das Gebirge nach Süden, der Unmengen von Hilfsgütern, die sie mit sich führen, und der bekannten Schwierigkeiten, diese durch den Zoll an diesem Grenzposten zu bekommen, ein schier unmögliches Vorhaben.
Nun muss der Fahrer versuchen, einen Weg anderen durch die Berge nördlich von Gonaives zu finden, um die drei morgen nach Gonaives zu holen.

Montag, 8. November 2010

08.11.10: Reisevorbereitungen / Situation nach "Tomas"

Reisevorbereitungen - 1. Rundbrief von Madeleine und Helga Östreicher:
"Hallo zusammen,herzlich Willkommen im Rundbrief von Mama Helga und Tochter Madeleine Östreicher. Du hast es schon mitbekommen oder auch nicht: Wir fliegen zusammen mit Monika, einer Krankenschwester, am kommenden Dienstag, den 9.November nach Haiti. Mittwoch, den 24.November sind wir wieder in Deutschland.Nachdem Heinz & Helga, Thomas und Monika Anfang diesen Jahres schon zwei Wochen direkt nach dem furchtbaren Erdbeben mit der Lebensmission "Jesus für Haiti" in Gonaives Hilfe geleistet haben, werden wir nun einiges an Hilfsgütern ins Land bringen. Heute abend (07.11.) haben wir gepackt und ich (Madeleine) weiß nicht, wie wir drei Damen alles sicher und vor allem vollständig transportieren sollen. Es handelt sich nämlich um sage und schreibe 20 Gepäckstücke, davon 5Rollstühle, 48Paar Krücken und 4Alukisten Medikemente&Co. Außerdem unser persönliches Gepäck. (insgesamt 250kg Übergepäck)Wir sind sehr froh um jedes Gebet und eure Unterstützung dadurch.Beten könnt ihr für:-Gefahrlose Reise (vor allem auch Grenzübergang DomRep/Haiti und der Weg durch die Berge zum Zielort Gonaives)-Heilung für die Augen von Philistin. Er ist unser Fahrer und muss 8Std Stunden an diesem Tag über schlimmste Straßen fahren. Vor zwei Tagen kam die Meldung er habe Schmerzen und müsste operiert werden.-Bewahrung vor Cholera und sämtlichen anderen Krankheiten-geistlicher Schutz.Wir sind gespannt was auf uns zukommt und freuen uns auf viele Begegnungen.Auf bald,Helga & Madeleine"

(Foto: ein ganzer Bus voll Gepäck, davor v.l.n.r.: Helga Östreicher, Monika Jakob, Madeleine Östreicher)

Haiti nach "Tomas":

8 Tote, 2 Vermisste, 11 Verletzte - die Vorsorge- und Evakuierungsmaßnahmen der internationalen Hilfskräfte sowie ein Abflauen des Hurrikans zum Tropensturm haben erreicht, dass nach ersten Berichten nicht mehr Menschen durch "Tomas" zu Schaden kamen. Auch die direkten Schäden durch Überflutungen hielten sich - gemessen an den vorhergehenden Befürchtungen - in Grenzen.

Allerdings hatten aufgrund der Sturmwarnungen vier Cholera-Behandlungszentren vorübergehend abgebaut werden müssen, so dass zwischenzeitlich nur noch 1.000 Betten für die Kranken zur Verfügung standen. Die Zahl der Toten hat sich inzwischen auf über 500 erhöht, die der Infizierten auf mehr als 7.300. Eine weitere Ausbreitung wird befürchtet, da noch nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Artibonite, dessen Wasser als Ursache der Cholera-Epidemie angesehen wird, als Folge der starken Regenfälle über die Ufer treten und mit der Überschwemmung des Umlandes die Cholera-Bakterien weiter verbreiten wird.

Auch im überfluteten Gonaives sollen nach - unbestätigten - Augenzeugenberichten erste Cholera-Infizierte tot in den Straßen gefunden worden sein.