Samstag, 30. März 2013

30.03.2013: Ostern in Haiti


Ostern in Haiti

„Ich staunte nicht schlecht, als ich sah, wie Marie-Mène im Kinderdorf am Abend des Karsamstag Eier bemalte und Süßigkeiten für die Kinder richtete, die sie dann am Sonntagmorgen versteckte. Meine Frage, ob das in Haiti üblich sei, verneinte sie. Aber Enel habe  sich an seine Zeit im Kinderdorf erinnert, und dass die Weißen das immer für die Kinder gemacht hätten. Ich war platt. Überhaupt holt Enel eine Menge Dinge hervor, die „damals“ eingeführt, aber irgendwann nicht mehr praktiziert wurden, um damit den Kindern Freude zu machen......“

Wie Helga Östreicher Ende April berichtet, erlebten unsere Kinderdorf-Kinder Osterfreuden „auf europäisch“. Denn der Brauch, buntbemalte Eier (die in Haiti nicht zum täglichen Speiseplan gehören, sondern Luxus-Lebensmittel sind) zu verstecken, ist in Haiti gänzlich unbekannt. Auch Schoko-Hasen hätten hier keine Chance, sondern würden im Nu wegschmelzen.

In Haiti werden von den Kindern in den Wochen vor Ostern aber – oft in der Schule bzw. dem Kindergarten -  fleißig kunstvoll verzierte Drachen gebaut, die dann in der Karwoche steigen gelassen werden. Wobei es in manchen Gegenden schon eine Kunst ist, sie an den vielen Hunderten Drähten vorbei in den Himmel zu bekommen, die von Stromdieben von einer Freileitung zur eigenen Hütte gezogen wurden. Bis zum Abend des Karfreitag wirbeln die Drachen dann durch die Luft, ab Samstag sind sie verschwunden. Warum? Die Antwort der meisten Haitianer lautet: Weil es immer so war.....

Vielleicht sind die Drachen das Gegenstück der Kinder zu den „Rara“s der Erwachsenen, die mit viel Lärm, Tam-Tam von Trommeln und Tröten und Tänzen in der Zeit vor Ostern die Straßen beherrschen. Es ist nicht ungefährlich, diesen Umzügen, bei denen auch viel Alkohol fließt und sich mancher in Trance tanzt, zu nahe zu kommen, denn die Stimmung ist allgemein sehr aggressiv.  Teilweise werden dieses Raras als Demonstration der Voodooisten im Land gegen die Christen charakterisiert: Man feiert das Leid und die Schmerzen Jesu.

Dies würde erklären, warum auch die Umzüge an Ostersonntag abrupt enden, wenn klar wird, dass Jesus durch seine Auferstehung den Tod endgültig besiegt hat.

In den christlichen Kirchen Haitis hat das Leiden und Sterben Jesu einen besonderen Erinnerungswert. In vielen katholischen Gemeinden gibt es Kreuzwege, der Leidensweg Jesu wird eindrücklich gestaltet, mit einem großen Holzkreuz und aufgeteilt in einzelne Stationen, die sich an den biblischen Stationen orientieren, aber auch Verbindungen zu den Leiden des haitianischen Volkes herstellen. Die Feiertage selbst stehen im Zeichen langer Gottesdienste und Gedenkfeiern. In diesem Land, in dem schon ein normaler Sonntags-Gottesdienst gut und gern drei Stunden und länger dauern kann, beginnt dann ein Gottesdienst am Karfreitag je nach kirchlicher Ausrichtung am Vormittag, um seinen Höhepunkt gegen 15 h, zur Todesstunde Jesu, zu erreichen, oder die Gläubigen versammeln sich erst von 13 h bis 17 h, um nachts zum Abendgottesdienst wieder zusammen zu treffen. Oder der Samstagabendmesse bis Mitternacht folgt das Hochamt zur üblichen Gottesdienstzeit am Ostermorgen...

In der Woche nach Ostern treten dann die protestantischen Gemeinden stärker in Erscheinung, die mit Umzügen, Chorgesängen und Proklamationen auf den öffentlichen Plätzen Evangelisationen veranstalten, um den Sieg Jesu und die Hoffnung für die Menschen zu verkünden.
 
Mit diesem Bericht über die Bedeutung und den Ablauf von Ostern in Haiti, den wir in unserem Quartalsheft Frühjahr 2011 abgedruckt hatten, grüßen wir alle Freunde Haitis und der LEBENSMISSION e.V., und wünschen Ihnen ein gesegnetes Osterfest 2013. DER HERR IST AUFERSTANDEN! - möge er Ihnen begegnen und Sie auf Ihrem Weg begleiten, so wie wir es uns auch für unsre Kinder im Orphelinat "Mission de Vie" in Gonaives wünschen!

 

Freitag, 1. März 2013

01.03.2013: Entschuldigung

Ein ganzer Monat ohne einen einzigen Blog-Eintrag !
Wir entschuldigen uns von Herzen bei allen, die in diesen letzten Wochen immer mal wieder, aber leider vergeblich, vorbeigeschaut haben.
Aber das Büro der LEBENSMISSION in Landau arbeitet momentan leider krankheitsbedingt nur auf Sparflamme und im Bemühen, den Betrieb und die Arbeit für Haiti aufrecht zu erhalten, kommt leider Manches derzeit zu kurz.
Bitte bleiben Sie uns trotzdem treu! DANKE !

Donnerstag, 31. Januar 2013

31.01.2013: Haiti ist unzufrieden mit seinem Präsidenten

Zwanzig Monate nach dem Regierungswechsel zum dritten Mal, nur fünf Monate nach der letzten Änderung bereits wieder: Innerhalb der haitianischen Regierung werden Stühle gerückt: Premierminister Lamothe twitterte am 22. Januar: "Nach dem Rücktritt von mehreren Ministern der Regierung werden das Staatsoberhaupt und ich heute Abend die Neuordnung des ministeriellen Kabinetts verkünden."
Es ist anzunehmen, dass die erwähnten Rücktritte nicht unbedingt freiwillig geschahen, sondern eine Auswirkung der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung mit ihrer Regierung sind. Es hat sich nicht so viel so schnell gewändert, wie es sich die Menschen erhofft hatten. Seit August 2012 muss fast wöchentlich von Protesaktionen wegen steigender Nahrungsmittelpreise und Korruptionsvorwürfen gegen die Staats-Oberen berichtet werden. Ob die Besetzung von Ministerposten mit Personen aus dem engen Umfeld des Premierministers dagegen etwas ausrichten wird?

Dienstag, 15. Januar 2013

15.01.2013: Haiti - Gonaives: Einsatz von HABITAT-HT im Kinderdorf

Aktuelle Informationen über das Hausbau-Projekt HABITAT-HT finden Sie im Blog von Familie Wittmer:  www.habitat-ht.blogspot.com
Wittmers wohnen  auf dem Gelände der "Mission de Vie" (Lebensmission), wo Martina im Bereich des Kinderdorfes und des PAtenschaftsprojektes mitarbeitet, während Dieufort das Bauprojekt vorantreibt.

Montag, 14. Januar 2013

Zusammen sind wir stark...


" l'union fait la force" steht als Slogan auf der haitianischen Flagge.
Auch Habitat-HT gewinnt seine Stärke durch Einheit und Zusammenarbeit :-)
So schaffen unsere Jungs es, einen -------- Tonnen schweren Strommast zu bewegen und letztendlich an idealer Stelle aufzurichten.
In Haiti hat man eben nicht unbedingt das nötige Gerät, so bleibt vieles Schweißarbeit derer, die gemeinsam anpacken.




Tropensturm Sandy zerstörte im Oktober mehrere Strommasten auf dem Kinderdorfgelände der Lebensmission e.V.. Dank der Reparationen und Neuverlegung der Kabel wurde wieder Sicherheit vor Brandgefahr hergestellt.

Samstag, 12. Januar 2013

12.01.2012: HAITI - drei Jahre nach dem Erdbeben

Über Haiti wird in diesen Tagen vor allem in Zahlen berichtet: Wie viele Tote und Verletzte es durch das Erdbeben in Port-au-Prince am 12.01.10 gab, wie viele der damals obdachlos Gewordenen immer noch in einer der unzähligen Zeltstädte ausharren, wie viele Milliarden USD die internationale Gemeinschaft und zahllose humanitäre Organisationen ins Land gebracht - und "in den Sand gesetzt", "verschwendet", "in die Geberländer haben zurückfließen" lassen - haben.
Daneben sieht man Bilder von Zelt-Straßen aus blauen UNO-Planen, von Haus-Ruinen mitten in der Stadt, von bunten, aus dem Ausland finanzierten, Siedlungen irgendwo in der Ebene außerhalb der Hauptstadt.
Ich denke, niemand kann ein wirklich objektives Bild der Situation und vor allem der Veränderungen seit 2010 zeichnen. Recht schnell hieß es damals, es werde mindestens zehn Jahre dauern, bis sich Haiti von dieser Katastrophe erholt habe. Das schien unvorstellbar lange; heute scheint es realistisch. Und es ist nicht zu erwarten, dass die haitianische Bevölkerung und ihre Regierung das alleine schaffen. Denn nicht grundlos sagen viele Haitianer, ihr Land werde von den ONG's (Nichtregierungs-Organisationen) regiert. Wer dankbar sein muss für die Hilfe, die aus dem Ausland kommt, darf keine dicken Arme machen. Das geht der haitianischen Regierung nicht anders. Denn hinter vielen großen ONGs stehen große Mächte wie die USA, die neben viel Hilfsbereitschaft auch ihre ganz eigenen wirtschaftlichen Interessen mitbringen.

Wir von der LEBENSMISSION sind im Grunde froh, nur eine kleine Organisation zu sein, die aber schon lange vor dem Erdbeben in Haiti tätig war. Wir konnten für unsere Aktionen der akuten Nothilfe auf eine bestehende Infrastruktur zurück greifen und mussten nicht teure Ausrüstung und Mitarbeiter entsenden. Wir kennen die (meisten) Fallstricke des haitianischen bürokratischen Systems und ein bisschen  die Mentalität dieses liebenswürdigen, aber eben doch ganz fremden Volkes, so dass unsere Hilfsgelder auch dort ankamen, wo sie hin sollten.
Wir konnten - vor allem dank des wunderbaren HABITAT-HT-Projektes von Dieufort Wittmer - gezielt einigen Opfern des Erdbebens durch Hausbau helfen und so Zeichen der Hoffnung setzen. Wir konnten gezielt finanzielle Einzelfallhilfe leisten, bei Existenzgründungen helfen und Patenschaften vermitteln. Und wir können das auch weiterhin, weil wir nicht nur ein einmalig realisiertes Spendenaufkommen einsetzen konnten, nach dessen Versickern wir uns wieder aus dem Land zurückziehen müssen.

Wir können weiter in Haiti bleiben, arbeiten und helfen - und dafür danken wir allen, die dieses Engagement zum Teil seit Jahrzehnten so treu mit ihren Gaben unterstützen!

Ich persönlich wünsche mir, dass der Wiederaufbau Haitis nicht wirklich zehn Jahre dauert, dass wir aber, wenn es denn doch so ist, am 12. Januar 2020 wirklich auf ein Haiti schauen können, in dem die Narben des Erdbebens vernarbt sind und das autark innerhalb der Weltgemeinschaft existiert und für seine Menschen sorgen kann!
Barbara Knochel
(Büroleitung)